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IHR KOMMENTAR

Warum es suchtpräventiv sinnvoll ist, dass schon Kinder lernen, ihre Impulse zu zügeln.
Sucht wird durch verschiedenste Faktoren beeinflusst: Die Person mit ihren Stärken und Schwächen, die Häufigkeit und der Umfang der konsumierten Mittel sowie das Milieu in dem man lebt.

Als zentraler Ansatz in der Suchtprävention gilt die Entwicklung und
Stärkung von Lebenskompetenzen sog. „Life skills“. Dazu zählen die
Entwicklung des Selbstwertgefühls, eine positive Selbstwahrnehmung, die
Wahrnehmung der persönlichen Selbstwirksamkeit, Kommunikations- und
Einfühlungsvermögen sowie Problemlösungsstrategien. Eine der relevanten
Lebenskompetenzen ist die Selbst- und Impulskontrolle.

Unter Selbstkontrolle versteht man die Fähigkeit spontane Handlungsimpulse
zu verzögern bzw. ihnen zu widerstehen. Die Fähigkeit der Selbstkontrolle
ist bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt und kann Schritt für
Schritt erlernt werden. Entwicklungspsychologische Untersuchungen zeigen,
dass Kinder diese Fähigkeit erst nach und nach erwerben.

Der amerikanische Psychologe W. Mischel hat in den 70er Jahren
verschiedenste Experimente zum Thema Belohnungsaufschub bei Kindern
unterschiedlicher Altersstufen durchgeführt.

Das Schema nach dem diese Experimente aufgebaut waren sieht wie folgt aus:
das Kind wird im Einzelversuch vor die Wahl gestellt, eine kleine Belohnung
z.B. ein Stück Schokolade jetzt zu bekommen oder auf eine größere Belohnung
z. B. eine Tafel Schokolade zu warten. Einige der Kinder griffen gierig zu,
andere entschlossen sich zu warten. Weiters hatten die wartenden Kinder die
Möglichkeit mittels einer Glocke, einen Mitarbeiter herbeizuholen, wenn das
Warten nicht mehr aushaltbar war, die getroffene Entscheidung zu revidieren
und die kleinere Belohnung sofort zu bekommen.

Die Untersuchung hat gezeigt, dass die Fähigkeit zu warten mit zunehmendem
Alter der Kinder steigt. Auch das Repertoire der Strategien zur
Selbstkontrolle nimmt mit dem Alter zu. So entschieden sich Kinder im Alter
zwischen 4 und 4,5 Jahren dafür, die Belohnung zu sehen während sie
warteten. Kinder zwischen 4,5 und 6 Jahren hingegen bevorzugten das Zudecken
der Belohnung.

Voraussetzung für die Entwicklung einer Verzögerungskompetenz sind laut
Mischel zwei Faktoren. Zum Einen muss das Kind wissen wodurch
Belohnungsaufschub erleichtert oder erschwert wird. Zum Anderen muss es
seine Aufmerksamkeit steuern können, um sie von attraktiven Merkmalen auf
weniger attraktive Merkmale lenken zu können. Weiters hat sich
herausgestellt, dass das Verhalten von bestimmten Erwachsenen (Modelle)
einen großen Einfluss auf die Handlungsweise von Kindern auswirkt.

So haben Bandura und Mischel 1965 ein Experiment durchgeführt, in dem
Kindergartenkinder in zwei Gruppen geteilt wurden. In der einen Gruppe,
waren Kinder, die sich sofort für die Belohnung entschieden haben,
sogenannte „Immediate“-Kinder, in der anderen, jene, die auf die größere
Belohnung gewartet haben, sog. „Delay“-Kinder. Bandura und Mischel führten
das selbe Experiment mit Erwachsenen durch, die sich jeweils gegenteilig den
Impulsen der Kindern verhielten. Das bedeutet, „Immediate“-Kinder
beobachteten „Delay“-Erwachsene und umgekehrt. Der Auftrag an die
Erwachsenen war, ihr Handeln zu kommentieren.

Nach dieser Beobachtungsphase wurden die Kinder wieder vor die Entscheidung
eine kleine Belohnung jetzt zu bekommen versus eine größere Belohnung später
zu erhalten, gestellt und das Verhalten der Kinder hat sich durch die
Beobachtung der Erwachsenen verändert. 60% der „Immediate“-Kinder zeigten
nun „Delay“-Verhalten und umgekehrt. Diese Ergebnisse blieben auch bei einem
weiteren Experiment einen Monat später erhalten.

Ein weiterer Einflussfaktor auf die Fähigkeit des Belohnungsaufschubes ist
die Erwartungshaltung. „Kann ich davon ausgehen, dass ich die spätere
Belohnung auch erhalte?“

In dieser Langzeitstudie hat man 10 Jahre später die Kindergartenkinder von
damals, als Jugendliche noch einmal untersucht und man konnte feststellen,
dass die Kinder, die im Kindergartenalter gut mit dem Belohnungsaufschub
umgehen konnten, als Jugendliche eine höhere Stresstoleranz aufwiesen. Sie
waren selbstbestimmter, sozial kompetenter und zuverlässiger als jene
Kindergartenkinder, die Schwierigkeiten mit dem Belohnungsaufschub hatten.
Ebenso war der akademische Erfolg größer als bei der anderen Gruppe.

Daraus kann abgeleitet werden, dass die Fähigkeit der Selbstkontrolle eine
wichtige Vorraussetzung für den Erwerb sozialer und kognitiver Kompetenzen
ist.


Mag. Sandra Aufhammer
Fachbereich Familie
kontakt+co Suchtprävention Jugendrotkreuz
aus dem newsletter 2009/1




Quellen:
* Mischel, W.; Shoda, Y.; Rodriguez, M. L. (1989). Delay of gratification
in children. Science, 244, 933-938
* Bandura, A./Mischel, W. (1965): Modifications of self-imposed delay of
reward through exposure to live and symbolic models. In: Journal of
Personality and Social Psychology, 2(5), 698-705
* kindergarten heute 9/2008, Edeltrud Marx, S. 15

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